Das Spiel mit der Angst: 3 Psychothriller, in denen es um menschliche Urängste geht

Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel, seelische Abgründe und das Spiel mit der Angst – ab und an lese ich sehr gerne Psychothriller und der ein oder andere hat mich auch schon aus einer Leseflaute gerettet. Hier stelle ich euch 3 unterhaltsame Psychothriller vor, die sich alle mit einer menschlichen Urangst auseinandersetzen.

Darf_nicht_schlafenIch. darf. nicht. schlafen. von S. J. Watson
Was bleibt, wenn man seine Erinnerungen und sich selbst verliert? Was ist, wenn man nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann? Christine Lucas lebt in einem regelrechten Alptraum. Sie leidet seit Jahren an einer besonderen Art der Amnesie: Immer, wenn sie schläft, werden all ihre Erinnerungen ausgelöscht. Jeden Morgen muss Christine erneut lernen, wer sie ist, wie sie heißt und wer die Personen um sie herum sind. Dabei hilft ihr jeden Morgen ihr Mann Ben, auf den Christine völlig angewiesen ist. Doch es gibt auch noch ein Tagebuch, das Christine führt. Und was darin steht, ist beunruhigend. Wem kann Christine wirklich trauen? Mir hat dieser Thriller außerordenlich gut gefallen und ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass das einer der besten Psychothriller ist, die ich je gelesen habe: Verstörend, spannend bis zur letzten Seite und nervenzerreißend. Mir hat beim Lesen teilweise echt der Atem gestockt. Echter Gänsehautfaktor und das ganz ohne grausame Gewaltszenen.

9783453437982_CoverPhobia von Wulf Dorn
Was für eine schreckliche Vorstellung: Mitten in einer kalten Dezembernacht hört Sarah Bridgewater ihren Mann nach Hause kommen, obwohl der eigentlich auf einer Geschäftsreise sein müsste. Doch der Mann, den Sarah schließlich in der Küche antrifft, ist nicht ihr Ehemann Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann. Wulf Dorns Psychothriller „Phobia“ beginnt wie ein schlimmer Albtraum – düster und nervenaufreibend. Sofort wird der Leser in den Bann gezogen und muss sich mit einer der menschlichen Urängste auseinandersetzen: dem Gefühl, sich nirgendwo mehr sicher zu fühlen. Gerade zu Beginn der Geschichte kommt Sarahs Verzweiflung sehr gut rüber. Was allerdings so vielversprechend beginnt, flacht im Laufe der Geschichte immer mehr ab. An sich ist ja die Idee des Thrillers grandios: Da schleicht sich jemand in das Leben anderer bzw. versucht die Identität von jemanden zu stehlen. Dorn hat aber aus dem Plot viel zu wenig rausgeholt. Das führt unweigerlich dazu, dass die ganze Geschichte viel zu durchsichtig ist und für einen Thriller eigentlich zu lahm. Dorn verzettelt sich in Nebenhandlungen, die überhaupt nichts zur Geschichte beitragen. Zum Teil laufen diese sogar einfach ins Leere und lassen viele unbeantwortete Fragen zurück. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Dorn noch viel stärker in die Gedankenwelt des Täters eintaucht und generell auch einfach noch viel mehr mit der Psyche des Lesers spielt. So kommt das Motiv zum Schluss fast ein wenig belanglos rüber. Zu gute halten kann man dem Autor seinen leichten und angenehmen Erzählstil; er verwendet eine einfache und schnörkellose Sprache und das Buch liest sich dadurch weg wie nichts. Auch schafft es Dorn die ganze Handlung sehr logisch zu erzählen. Die Botschaft, die bei dem Buch mitschwingt, ist auch ganz schön. Fazit: Ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch, für einen Thriller allerdings nur mäßig spannend.

splitterSplitter von Sebastian Fitzek
Was ist Wirklichkeit, was ist Einbildung? Mit diesem Thema setzt sich Sebastian Fitzek in “Splitter” auseinander. Marc Luca steht vor einem Scherbenhaufen und ist von Selbstvorwürfen geplagt: Denn er hat bei einem selbstverschuldeten Autounfall seine Frau und sein ungeborenes Baby verloren. Da hört Marc von einem psychiatrischen Experiment: Menschen mit Traumata sollen alle negativen Erinnerungen ausgelöscht werden. Nach dem ersten Test ist für Mark aber nichts mehr wie es war. Als er nach Hause kommt, passt sein Wohnungsschlüssel nicht mehr, ein anderer Name steht auf dem Klingelschild und dann öffnet ihm seine hochschwangere Frau. Kein Zweifel, Fitzek versteht sein Handwerk definitiv. Er schreibt unglaublich gut und lebendig und weiß, wie man Spannung erzeugt. Nach jedem Kapitel kommt ein Knall, eine Wendung, etwas, mit dem man nicht gerechnet hat. Dazu war die Geschichte auch noch ziemlich interessant. Das Ende war mir persönlich aber wieder etwas zu konstruiert. Im Großen und Ganzen hat mich Splitter dennoch unglaublich gut unterhalten. Es liest sich halt wie Popkornkino und ist genau das Richtige für einen verregneten Sonntagnachmittag.

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