Liste der abgebrochenen Bücher

Der Mathematiker Jordan Ellenberg hat für das Wall Street Journal eine Liste mit Büchern zusammengestellt, die am häufigsten nicht zu Ende gelesen wurden. Hier kann man die Analyse nachlesen. Auf jeden Fall hat mich der Artikel dazu inspiriert, mal über die Bücher zu sprechen, die ich abgebrochen habe.

Welche Bücher habt ihr abgebrochen und aus welchem Grund? Wann brecht ihr Bücher ab? Ich persönlich habe in letzter Zeit gemerkt, dass ich, was das Thema „Bücher abbrechen“ betrifft, lockerer geworden bin. Bis vor ein paar Jahren habe ich so gut wie nie Bücher abgebrochen, weil ich mir dann irgendwie schlecht vorgekommen bin. Mittlerweile bin ich da etwas radikaler. Lesen kostet schließlich auch Zeit, soll eigentlich Spaß machen und einen schlechten Film würde man ja auch ausschalten. Wenn ich mich also bis zu einer gewissen Seitenzahl nur durch das Buch quälen muss und auch nicht zu erwarten ist, dass sich die Geschichte oder der Schreibstil noch ändern werden, wird das Buch abgebrochen.

Liste meiner abgebrochenen Bücher

Sarg_niemals_nieSarg niemals nie – Dan Wells
Bei diesem Buch dachte ich, es handelt sich um einen humorvollen Vampirroman, vielleicht sogar um eine Vampirsatire. Allerdings war das Buch anstatt witzig und humorvoll einfach nur albern. Der „Humor“ des Buches besteht vor allem aus schlechtem Slapstick, den ich nicht mal zum schmunzeln fand. Die Handlung machen hauptsächlich verwirrende, unsinnige Dialoge und Wiederholungen aus. Von Spannung keine Spur. Auch mit Vampiren hat die Geschichte im Grunde nicht wirklich viel zu tun. Mich hat die Geschichte und vor allem der Erzählstil überhaupt nicht überzeugen können. Nach ein bisschen mehr als der Hälfte war bei dem Buch für mich Schluss.

arschfahlArschfahl klebte der Mond am Himmel – Helge Schneider
Diesen Sammelband der Kommissar-Schneider-Romane hat mir mal eine ehemalige Kollegin ausgeliehen. Da ich die Helge-Schneider-Filme kenne, war mir schon klar, dass die Geschichten recht absurd sein werden. Allerdings waren mir die Erzählungen dann doch viel zu abgedreht. Die Geschichten sind einfach nur wild fabuliert und das ganze Buch ist fünf Nummern zu schräg, um noch lustig zu sein. Ich konnte das Buch einfach nicht weiterlesen.

EganDie Farbe der Erinnerung – Jennifer Egan
Die Geschichte klang interessasnt: Phoebe hat von ihrer großen Schwester Faith nur noch ein paar Postkaren. Faith, ein lebenshungriges Flower-Power-Mädchen, das alles mitgenommen hat, was die damalige Zeit bot, kam 1970 in Italien ums Leben. Keiner weiß, ob es ein Unfall war, Selbstmord oder gar Mord. Um die Warheit herauszufinden, begibt sich Phoebe auf eine Reise nach Europa – auf den Spuren ihrer Schwester. Leider kam die Geschichte aber überhaupt nicht in die Gänge. Seite um Seite habe ich darauf gewartet, dass sich die Geschichte entwickelt. Als Phoebe sich nach fast 200 Seiten immer noch nicht auf die Reise begeben hat und sich immer noch alles im Kreis gedreht hat, habe ich die Lust an dem Buch verloren.

BogenschützinDie Bogenschützin – Martha Sophie Marcus
„Die Bogenschüztin“ ist ein historischer Roman, der zur Zeit der Hussitenkriege spielt. Aus diesem Grund und weil ich ja historische Romane generell mag, wollte ich das Buch damals unbedingt haben. Allerdings kam ich dann überhaupt nicht in die Geschichte rein. Der Schreibstil war eigentlich ganz in Ordnung, aber die Geschichte und die Figuren haben mich sehr genervt. Mir hat sich überhaupt nicht erschlossen, wohin mich die Geschichte führen soll. Aufhänger des Romans ist ja die Suche der Hautpfigur Hedwig nach ihren Brüdern und dem Sohn ihres Ziehvaters. Diese findet Hedwig aber schon ziemlich zu Beginn der Geschichte. Mit den Hussitenkriegen hatte der Roman auch nicht wirklich etwas zu tun. Die historischen Fakten, die in die Geschichte eingestreut wurden, waren langweilig aufbereitet. Und auch wenn ich starke Frauen durchaus mag, ist mir Hedwig mit ihrem amazonenhaften Getue gewaltig auf die Nerven gegangen.

BernsteinDie Mücke im Bernstein – E. G. Stahl
„Die Mücke im Bernstein“ ist vor allem die Geschichte eines faszinierenden Landes: Ostpreußen. Else Stahl erzählt diese Geschichte, indem sie über 740 Jahre hinweg die Schicksale verschiedener Familien in Ostpreußen schildert, die irgendwie alle miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt des Epos steht ein Schmuckstück, ein Bernsteintropfen, in dem eine Mücke eingeschlossen ist, und das von Generation zu Generation weitervererbt wird. Da ich Familiensagas liebe und mich auch die Geschichte Ostpreußens interessiert, wirkte der Roman nahezu perfekt für mich. Leider habe ich jetzt nach mehreren Anläufen eingesehen, dass das Buch nichts für mich ist. Zum einen musste ich mich erstmal schon an den Schreibstil gewöhnen, kommt der doch ein bisschen altbacken daher. Das war aber gar nicht mal das Problem und auch den Prolog fand ich wirklich toll. Schon ab dem ersten Kapitel zieht sich die Geschichte aber dahin wie Kaugummi und wird immer zäher. Stahl schreibt sehr umständlich und ausholend. Das hat dazu geführt, dass mich die Handlung irgendwann überhaupt nicht mehr interessiert hat und ich ihr gar nicht mehr folgen wollte. Anstrengend fand ich in diesem Fall auch die Zeitsprünge. Oft liegen zwischen den Kapiteln 100 Jahre. Man musste so häufig überlegen, bis man die Verknüpfungen nachvollziehen konnte.

Billion_Dollar

Eine Billion Dollar – Andreas Eschbach
Das Thema, das in Eschbachs Roman „Eine Billion Dollar“ behandelt wird, finde ich nach wie vor interessant: Eines Tages macht der arme Schlucker John Salvatore Fontanelli eine unglaubliche Erbschaft: ein Vermögen, das ein entfernter Vorfahr im 16. Jahrhundert hinterlassen hat und das durch Zins und Zinseszins in fast 500 Jahren auf über eine Billion Dollar angewachsen ist. Angelegt wurde das Geld aufgrund einer Prophezeiung, denn der Erbe soll einst der Menschheit die verlorene Zukunft wiedergeben. John tritt das Erbe an, doch bald weiß er nicht mehr, wem er trauen kann. Ein Roman also über die Macht des Geldes – eigentlich eine wirklich erfrischende, großartige Idee, denn wer hat sich nicht schon selbst gefragt, wie er mit Reichtum umgehen würde? Allerdings hab ich mir aufgrund des Klappentextes irgendwie etwas anderes erwartet, vielleicht mehr Spannung. Nach knapp 200 Seiten habe ich beschlossen, den Roman nicht mehr weiterzulesen. Mir war das zu viel Rechnungswesen und Betriebswirtschaft. Natürlich gehört es bei so einem Roman dazu, auch etwas über die globale Wirtschafts- und Finanzpolitik zu erfahren und ich finde so etwas auch durchaus interessant. Eschbach verliert sich aber in diesen Exkursionen und referiert endlos über wirtschafts- und finanzpolitische Verflechtungen. Gute Idee, aber die Umsetzung war nicht mein Fall.

MondfeuerMondfeuer – Donna Gillespie
„Mondfeuer“ ist ein Epochenroman, der den Leser in das Jahr 100 nach Christus entführt. Es geht um Auriane, Tochter eines Chattenfürsten, der bei der Geburt vorhergesagt wird, dass sie eines Tages ihren Stamm anführen wird, aber auch schwere Leiden ertragen muss. Parallel dazu erzählt Gillespie die Geschichte eines römischen Patriziers, der sich in Auriane verliebt, als sie nach Kämpfen gegen die römische Übermacht in Germanien gefangen genommen und nach Rom verschleppt wird. Dort muss sie im Colosseum als Gladiatorin um ihr Leben kämpfen. Die Geschichte klang vielversprechend und da ich eigentlich noch nie einen historischen Roman gelesen habe, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, war ich sehr neugierig. Allerdings konnte mich der Roman nicht packen. Auch nach über 100 Seiten war ich noch nicht in der Geschichte drin und musste mich fast zum weiterlesen zwingen. Viele Stellen sind sehr langatmig und Gillespie verliert sich in Details. Gerade ihre Abhandlungen über das germanische Priestertum am Anfang des Romans waren extrem ausufernd und umständlich. Kaum wurde die Handlung interessant ist sie auch schon wieder abgeflacht. Zu gute halten möchte ich dem Roman, dass er tatsächlich sehr gut recherchiert ist. Auch wie Gillespie die römische Gedankenwelt der germanischen gegenüberstellt und die Sitten, die Religion und Bräuche schildert, ist wirklich gelungen und interessant. Trotzdem hat das nicht gereicht, um mich an das Buch zu fesseln. Da das Buch dann doch 1200 Seiten hat und es sogar noch zwei Fortsetzungsromane gibt, wollte ich mich da nicht weiter durch quälen.

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