Klassiker entstauben: Irmgard Keun – Das kunstseidene Mädchen

P1100569Sie gelten als verstaubt, erinnern an langweilige Schulstunden und haben den Ruf nicht mehr zeitgemäß und schwer verständich zu sein: die sogenannten Klassiker der Literatur. Tatsächlich aber lohnt es sich auch heute noch, einige dieser Klassiker zu lesen. Die Themen sind oft zeitlos und die Sprache in vielen Fällen erstaunlich flott. Zudem liefern die Werke ein gutes, authentisches Bild ihrer Epoche. Besonders empfehlenswerte Klassiker, quer durch alle Epochen, möchte ich euch in einer losen Serie ans Herz legen oder einfach wieder zurück ins Gedächtnis rufen.

Diesmal: Irmgard Keun – Das kunstseidene Mädchen

P1100584

Inhalt:
Deutschland, 1931: Doris ist 18 Jahre alt und arbeitet als Sekretärin in einem Rechtsanwaltsbüro. Ihre Arbeit kann sie nicht sehr leiden, zudem wird ihr Chef mehr als einmal zudringlich. Immer wieder flüchtet sich Doris in Tagträumereien: Sie will eine berühmte Schauspielerin werden. Als Doris ihre Anstellung verliert, weil sie ihren Chef heftig zurückweist, und auch noch einen Diebstahl begeht, flieht sie letztendlich nach Berlin, um ihrem Traum, Filmstar zu werden, näher zu kommen. Dort kommt das Kleinstadtmädchen aber vor allem mit Prostitution, Brutalität und dem Elend der Arbeiterfamilien in Berührung…

Epoche:
Das kunstseidene Mädchen ist ein typisches Werk der Neuen Sachlichkeit (1919 bis 1932). Zu den wichtigsten Einflüssen der Autoren der Neuen Sachlichkeit gehörte der Erste Weltkrieg und die Entstehung der Weimarer Republik, die von zahlreichen Krisen – wie der Inflation und der Weltwirtschaftskrise – geprägt war. Themen in den Werken der Neuen Sachlichkeit waren vor allem die Großstadt und die Lebensumstände der Arbeiter- und Angestelltenfamilien.

Meine Meinung:
Das kunstseidene Mädchen ist ein anrührendes Zeitdokument, erzählt mit sehr viel Witz und Charme und manchmal einem ganz leisen, traurigen Unterton. Die Sprache ist dabei frisch und extrem jung. Hautnah erlebt der Leser mit, wie Doris versucht, dem Mief der Kleinstadt zu entfliehen, um es in der glitzernden Großstadt zu etwas zu bringen, dabei immer tiefer abrutscht und doch ihren Mut nie verliert. Das Lebensgefühl im Berlin der 30er Jahre kommt wahnsinnig gut rüber und schonungslos werden die harten Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien geschildert. Ein überraschend gutes Buch mit einer sympathischen Protagonistin, deren Geschichte einen nicht mehr los lässt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bücherkiste abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s