Empfehlung: Die Mittelalter-Romane von Viola Alvarez

P1100505 Etwas sehr Außergewöhnliches unter all den historischen Romanen, die es auf dem Buchmarkt gibt, sind die Mittelalter-Romane von Viola Alvarez. Das liegt an dem Stoff, den sie für ihre Geschichten wählt, aber auch und vor allem an der Umsetzung. Drei Mittelalter-Romane hat die Germanistin und Historikerin bisher veröffentlicht, hier möchte ich euch die Bücher genauer vorstellen.

  • Die Nebel des Morgens
    Es ist eine Geschichte über bedinungslose Liebe und Treue, aber auch abgrundtiefen Hass, Habgier und Betrug, ein Epos, der über die Jahrhunderte hinweg zu einem Mythos geworden ist: Die Nibelungensage. In ihrem im Jahr 2006 erschienen Roman „Die Nebel des Morg049739577-die-nebel-des-morgensens“ widmet sich Alvarez der Sage und erzählt die Geschichte äußerst berührend neu. Das Besondere: Nicht der gutaussehende Königssohn Siegfried ist wie gewöhnlich der Held der Geschichte, sondern Hagen von Tronje, der Berater am Hof der Nibelungen, der zudem eine heimliche Beziehung zu Brynhild – einst von Siegfried getäuscht und zur Ehe mit Gunther gezwungen –  unterhält. Siegfried hingegen wird in Alvarez Version als brutaler Lügner und hohler Schönling entlarvt. Diese Adaption der Nibelungensage ist einfach nur wunderbar. Es ist eine tiefgehende, ergreifende Liebesgeschichte, nebenbei erfährt man aber auch noch einiges über den Alltag in dieser frühmittelalterlichen Zeit. Besonders über die Rolle der Frau, aber auch über den Konflikt zwischen Christentum und heidnischen Glauben. Am Ende könnte man fast meinen, dass es genau so gewesen ist. Die Nibelungensage muss man übrigens nicht unbedingt vorher gelesen haben, darüber weiß man nach dem Buch alles.
  • Wer gab dir, Liebe, die Gewalt
    In ihrem im Jahr 2005 erschienen Roman „Wer gab dir, Liebe, die Gewalt“ behandelt Alvarez keinen Mythos, sondern erzählt die Lebensgeschichte des Dichters Walther von 049748473-wer-gab-dir-liebe-die-gewaltder Vogelweide. Zumindest seine Lebensgeschichte, wie sie hätte sein können. Denn bis auf seine Werke gibt es kaum ein Zeugnis über den Minnesänger und auch sonst ist über sein Leben relativ wenig bekannt. Alles, was man über den Dichter weiß, weiß man aus seinen Werken. Jedoch gelingt es Alvarez auch hier, dem Leser ein äußerst glaubwürdiges Bild von Walther von der Vogelweide und der Zeit, in der er lebte, zu vermitteln. Alvarez erzählt mit einer zum Teil sehr poetischen, zum Teil sehr bildhaften Sprache und hat es geschafft, dem Dichter ein literarisches Denkmal zu setzen.
  • Das Herz des Königs
    Mit dem im Jahr 2003 erschienen Roman „Das Herz des Königs“ interpretiert Alvarez die Sage um Tristan und Isolde neu. Die Geschichte wird rückblickend aus der Sicht von herz-des-koenigs-alvarezMarke, dem König von Cornwall erzählt. Dem Mann also, dem Isolde ursprünglich versprochen war und der dann schändlich hintergangen und betrogen wurde. Geschrieben ist der Roman wie eine Art Autobiografie. Man merkt allerdings, dass es Alvarez erster Roman war, entwickelt dieser nämlich noch nicht den Sog, den die anderen beiden Romane entwickeln. Auch ist diese Geschichte eher ruhiger erzählt und ist eher einer Charakterstudie als ein aufwühlender Liebes- oder Abenteuerroman. Nichts desto trotz ist auch „Das Herz des Königs“ lesenswert, weil das Buch eben auch wieder auf sehr gelungene und ungewöhnliche Art und Weise den Leser ins frühe Mittelalter entführt und eine alte Sage wieder ins Gedächtnis der Menschen bringt.
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