Lesetipp: Die verbotene Zeit von Claire Winter

9783453291683_CoverInhalt:
Zwei Zeitebenen, ein dunkles Geheimnis, Liebe und Verrat: Claire Winters Roman „Die verbotene Zeit“ gehört ganz klar in die Reihe der Bücher, in denen es um Familiengeheimnisse geht. Ein Genre, das ich immer wieder gerne lese, in dem es aber auch viel Kitsch gibt. Das trifft auf „Die verbotene Zeit“ schon mal nicht zu. Im Gegenteil: Der Roman ist mitunter einer der besten in diesem Genre, den ich je gelesen habe. Die Geschichte beginnt 1975 in London und wir lernen die junge Journalistin Carla kennen, die sich gerade erst von einem schweren Autounfall erholt. Das Tragische: An gut ein halbes Jahr vor dem Unfall kann sich Carla nicht mehr erinnern. Weil sie aber das Gefühl hat, von ihrem näheren Umfeld belogen zu werden, setzt sie alles daran, die verlorene Zeit zu rekonstruieren. In ihrem Notizheft findet Carla die Telefonnummer des Journalisten David Grant und erfährt von ihm, dass sie vor ihrem Unfall auf der Suche nach ihrer Schwester war. Anastasia verschwand vor 16 Jahren spurlos an der Küste von Cornwall und gilt seitdem als tot. Auf was war Carla vor ihrem Unfall gestoßen? Was verschweigen ihre Eltern ihr? Die Suche führt Carla in das Berlin der 1930er Jahre – in eine dunkle, grausame Zeit.

Meine Meinung:
Winter schreibt sehr lebendig, bildgewaltig und emotional. Von Anfang an wird man regelrecht in die Geschichte hineingezogen und kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Dazu trägt auch der gut ausgearbeitete Spannungsbogen bei. Die Charaktere sind sehr lebensecht und ihr Handeln plausibel. Da ein Teil der Geschichte im Berlin der 30er Jahre spielt, geht es im Roman natürlich zu großen Teilen auch um die Machtergreifung Hitlers. Wie Winter dieses historische Ereignis in ihrem Roman verarbeitet ist mehr als gelungen: Beinahe fassungslos verfolgt man als Leser mit, wie schnell sich die Ereignisse überschlagen: Da machen die liberalen Berliner Bildungsbürger 1932 noch Witze über die Nationalsozialisten und sind überzeugt, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Nur knapp ein Jahr später werden aus Freunden und Nachbarn rechtlose Juden und wer sich gegen die Nazis stellt, ist plötzlich Volksfeind. Die Szenen, die Winter in diese Zeit gestellt hat, sind nicht nur extrem gut recherchiert, sondern auch sehr aufwühlend und machen betroffen. „Die verbotene Zeit“ ist ein wunderbar erzählter Roman über eine außergewöhnliche Freundschaft und eine verbotene Liebe in einer dunklen Zeit. Aber auch über große Verzweiflung und eine tiefe Schuld. Ein Roman, der unter die Haut geht.

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Auf in fremde Welten: 3 historische Romane, die an exotischen Orten spielen

Abenteuer und Romantik vor der Kulisse ferner Kontinente und fremder Länder: Hier stelle ich euch drei empfehlnswerte historische Romane vor, die an exotischen Schauplätzen spielen.

9783442482313_CoverZwischen Orient und Okzident
An den Ufern des Bospours von Theresa Révay

1918 – der 1. Weltkrieg ist zu Ende und Europa jubelt. In der Türkei jedoch ist der Schrecken noch nicht vorbei. Das Land gehört zu den Besiegten und Istanbul wird von den Siegermächten belagert, die die Stadt untereinander aufteilen. Das Osmanische Reich scheint dem Untergang geweiht. Dieser wechselvollen, aufrührenden Zeit widmet sich Theresa Révay in ihrem Roman „An den Ufern des Bosporus“. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Leyla. Sie ist die Frau von Selim Bey, dem Sekretär von Sultan Mehmed VI. und lebt behütet mit ihren Kindern und ihrer Schwiegermutter in einem traditionellen Harem. Doch dann wird das prächtige Stadthaus der Familie von den Siegermächten beschlagnahmt und Selim wird gezwungen, einen französischen Offizier aufzunehmen. Derweil engagiert sich Leylas Bruder Orhan im Widerstand und bringt eines Tages einen verwundeten Kameraden ins Haus seines Schwagers, den Leyla heimlich gesund pflegen soll. Eine dramatische Liebegeschichte bahnt sich an und plötzlich findet sich Leyla selbst mitten im Widerstand.
Révay erzählt die Geschichte des Osmanischen Reichs nach dem 1. Weltkrieg und die grundlegenden Veränderungen für die Menschen sehr detailliert und eindringlich. Sie schildert, wie die verschiedenen Kulturen in Istanbul aufeinanderprallen, erzählt von den ersten Revolten, die aufflammen, bis hin zur Absetzung des Sultans 1922 und der Entstehung der heutigen Türkei. Auch die Lebensweise der Türken und ihre strengen Traditionen werden gut erklärt. Man merkt einfach, dass Révay wahnsinnig gut recherchiert hat. Mit Leyla haben wir eine starke Protagonistin, die zwar noch die alten Traditionen ihres Landes lebt, aber auch vom Anbruch der neuen Epoche fasziniert ist und sich von einem modernen Zeitgeist mitreißen lässt. Révay schreibt sehr flüssig, lebendig und bildhaft. Die Schauplätze – wie Istanbul oder die Landschaft Anatoliens – werden so bunt beschrieben, dass man glaubt, selbst dort zu sein. Weil Révay allerdings sehr viele historische Fakten in die Geschichte einbindet, wird der Lesefluss dadurch manchmal ein wenig gehemmt. Auch das Schicksal der Protagonisten rutscht dadurch manchmal etwas arg in den Hintergrund. Nichts desto trotz ist „An den Ufern des Bosporus“ aber ein interessanter historischer Roman, bei dem man noch einiges dazulernt. Auf jeden Fall kann ich den Roman allen empfehlen, die sich für türkische Geschichte interessieren. Alle, die den Fokus des Romans auf der Liebesgeschichte erwarten – das suggerieren Klappentext und Cover nämlich – werden wohl eher enttäuscht sein.

Bucht_des_gruenen_MondesEine Liebe am Amazonas
Die Bucht des grünen Mondes von Isabel Beto
An den Amazonas im Jahr 1896 enfürht Isabel Beto ihre Leser in diesem Roman. Protagonistin ist die junge Fabrikatnentochter Amely aus Berlin. Für sie bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr Vater sie mit einem deutlich älteren Verwandten verheiraten will Kilian Wittstock beherrscht als einer der mächtigsten Kautschukbarone das Amazonasgebiet. Schweren Herzens macht sich Amely auf die Reise über den Ozean. In Manaus erwartet sie ein fremdes, exotisches Leben voller Luxus, aber auch ein brutaler Ehemann.
Dieses Buch ist zum einen die Geschichte einer Frau, die in einer Zeit, in der Frauen nichts galten und nichts zu sagen hatten, um ihr Glück kämpft. Zum anderen ist „Die Bucht des grünen Mondes“ auch ein Roman über die Dekadenz und die Gier der Kautschkbarone gegen Ende des 19. Jahrhunderts und über die Ausbeutung der Indianer im Amazonasgebiet. Betos Erzählstil ist sehr vereinnahmend. Sie erzählt sehr flüssig, spannend, leidenschaftlich und dramatisch, aber ohne, dass die Geschichte dabei überladen wird. Den brasilianischen Bundesstaat Amazonas samt dem Dschungel und der schillernden Stadt Manaus beschreibt Beto so bildgewaltig, dass man wirklich denkt, auch in Südamerika zu sein. Natürlich steht bei „Der Bucht des grünen Mondes“ auch eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt, der Roman ist allerdings kein Deut kitschig, sondern an manchen Stellen sogar recht brutal. Die Charaktere sind vielleicht manchmal ein wenig arg schwarz-weiß gezeichnet, aber irgendwie passt das ins Gesamtpaket.

SmaragdvogelDie exotische Welt Indiens
Smaragdvogel von Linda Holeman
Dieses Buch hat mich sehr berührt. Es ist die Geschichte einer Frau, die trotz schwerer Schicksalsschläge und gegen alle Widerstände ihrer Zeit unbeirrbar um ihr Glück und ihre Freiheit kämpft. Eine Frau, der immer wieder Steine in den Weg gelegt werden und die sich trotzdem nicht unterkriegen lässt. Gleichzeitig ist „Smaragdvogel“ ein wunderbares historisches Epos vor der Kulisse Englands und Indiens im 19. Jahrhundert. Lebendig beschreibt Holeman, wie es zu jener Zeit in den Liverpooler Armenvierteln zuging, aber auch die strengen, steifen Verhaltensregeln der englischen High Society. Im zweiten Teil erfährt der Leser wie die Engländer im kolonialen Indien lebten und bekommt einen detailierten Einblick in diese fremde Welt. Oft schonungslos und unverblümt. Die Charaktere sind sehr greifbar und realistisch, der Schreibstil ist äußerst vereinnahmend. Am Ende der Geschichte war ich tatsächlich zu Tränen gerührt. Im Grunde hat der Roman alles, was ein gutes Buch braucht. Eine absolute Leseempfehlung.

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Serientipp: Warum mich True Blood in den Bann gezogen hat

Bill zu Sookie:  „From the very first moment that we met, you reminded me of what it was like to have my human heart. The problem was, it was only a memory. All I had was my darkness to give you in return.“

Zunächst einmal muss ich erwähnen: Ich bin kein Serienjunkie. Es gibt schon eine handvoll Serien, die mir gefallen, aber in der Regel bin ich nur schwer zu begeistern. Das gilt für TV-Serien und noch mehr für Buchreihen. Es gibt aber eine Serie, die mich regelrecht süchtig gemacht hat und mich von Anfang bis Ende in ihren Bann gezogen hat: True Blood bzw. die Sookie-Stakhouse-Reihe von Charlaine Harris. Mittlerweile sind sowohl Buch- als auch TV-Serie abgeschlossen. Der richtige Zeitpunkt, um euch die Serie vorzustellen.

Um was geht´s?
Im Mittelpunkt der Serie steht Sookie Stackhouse, die in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Louisiana als Kellnerin jobt. Sookie besitzt eine Fähigkeit, die sie als Fluch empfindet: Sie kann Gedanken lesen. Doch damit nicht genug: In Louisiana gibt es auch Vampire. Seit vor vier Jahren nämlich in Japan das Blutzersatzmittel „True Blood“ erfunden wurde, sind Vampire nicht mehr gezwungen Menschen zu jagen und wagen es nun, an die Öffentlichkeit zu gehen, um (friedlich) neben den Menschen zu leben. Als mit Bill der erste Vampir in Sookies Heimatort auftaucht, wird sie in eine Welt des Übernatürlich hineingezogen. Roter Faden der Serie ist stets die Dreiecksliebesgeschichte zwischen Sookie und den Vampiren Bill und Eric.

IMG_2340Die Buchreihe:
Es gibt viele Gründe, warum mich diese Buchreihe von Anfang an überzeugt hat: da ist die außergewöhnliche, spannende und zudem auch noch intelligent gemachte Geschichte, einzigartige Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen, der Sprachwitz und vor allem der böse und schwarze Humor. Über allem hängt dieser ganz spezielle Südstaaten-Flair – heiß und dampfig. Mit Erotik wird natürlich auch nicht gespart. Toll fand ich es, dass es Harris gelungen ist, ihre Figuren im Laufe der Geschichte weiterzuentwickeln. Vor allem Sookie wird mit der Zeit refkletierter und erwachsener. Am Ende gelingt ihr ein runder, passender Abschluss, ohne die Geschichte tot zu schreiben.
Es hat mir unglaublich Spaß gemacht, Sookie, Bill und Eric durch ihre Abenteuer zu begleiten. Ich hab mit ihnen gelitten, gebangt und gelacht. Sehr beeindruckend fand ich auch, dass die Reihe eben nicht nur großartige, pure Unterhaltung ist, sondern unterschwellig auch Bezug auf Fanatismus und seine Folgen nimmt und eben zeigt, wie es ist, wenn sich Randgruppen in der Gesellschaft etablieren wollen.
(Die Sookie-Stackhouse-Reihe besteht aus 13 Bänden und ist mittlerweile abgeschlossen.)

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Die TV-Serie:
Von 2008 bis 2014 hat Alan Ball die Buchreihe von Charlaien Harris mit dem Titel „True Blood“ in 7 Staffeln verfilmt. Die erste Staffel hält sich noch ziemlich exakt an das erste Buch. Doch dann weicht die  TV-Serie von Staffel zu Staffel immer mehr von der Buchreihe ab, entwickelt ihre eigene Handlung und läuft auch auf ein eigenes Ende hinaus. Das ist in diesem Fall aber nicht verkehrt und war zum Teil auch notwendig. Es gibt auch Figuren, die in der Buchreihe gar nicht existierten. Andere Figuren, die im Buch nur am Rande vorkommen, bekommen in der TV-Serie eine größere Rolle. Trotz der Veränderungen bleibt aber die Grundgeschichte erhalten und auch der böse, schwarze Humor darf in der TV-Serie nicht fehlen.
Ich fand die TV-Serie etwas härter, morbider und auch derber als die Buchreihe: Wenn Vampire sterben, zerfallen sie zu blutigen Haufen. Generell fließt sehr viel Blut. Erotik wird nicht zart angedeutet und ist oft auch nicht romantisch. Hier geht es schon gleich richtig zur Sache. Das alles jedoch gepaart mit diesem speziellem Humor, diesen trockenen Sprüchen und den einzigartigen Charakteren ist einfach großartig. Noch viel mehr als in der Buchreihe wird in der Serie übrigens das Problem von Randgruppen aufgezeigt, die sich in der Gesellschaft etablieren wollen bzw. was Fanatismus anrichten kann. Es gibt auch starke Parallelen zum Umgang mit der schwarzen Bevölkerung in den konservativen Südstaaten der USA. Auf jeden Fall eine tolle, intelligent gemachte, außergewöhnliche Serie mit einem unerwarteten, aber trotzdem schönen Ende.
Sofern möglich, sollte man sich die TV-Serie übrigens unbedingt in englischer Sprache ansehen. Der Witz kommt so viel besser rüber und viele Figuren sprechen eben auch den Südstaaten-Slang – was in großen Teilen zur Atmosphäre der Serie beiträgt.

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Sehenswert: Beste Zeit – Beste Gegend – Beste Chance

„Auf Fahrtwind und Freiheit“

beste zeitbeste gegendBeste Chance_neu

Worum es geht:
Um Freundschaft, Liebe und das Erwachsenwerden geht es in Marcus H. Rosenmüllers Comign-of-Age-Trilogie „Beste Zeit“ – „Beste Gegend“ – „Beste Chance“ aus den Jahren 2006, 2007 und 2014. Im Mittelpunkt der Filme stehen die beiden besten Freundinnen Kati und Jo, die in der oberbayerischen Provinz aufwachsen. Zu Beginn der Trilogie sind die Freundinnen 17 Jahre alt, beide träumen von der ersten Liebe, aber vor allem von Freiheit und haben mit den ganz normalen Teenager-Problemen zu kämpfen. „Beste Gegend“ spielt ein Jahr nach den Geschehnissen in „Beste Zeit“: Kati und Jo träumen nach dem Abitur von einer Weltreise, stranden aber in Südtirol, weil ihnen wieder einmal das Leben dazwischen kommt. Mit „Beste Chance“ beendet Rosenmüller nun die Trilogie. Diesmal sind fünf Jahre vergangen. Kati studiert in München Architektur und steht kurz vor der Diplomprüfung, Jo reist noch immer durch Indien. Beide hatten schon mehrere Jahre keinen Kontakt mehr, genauso wenig wie zu den Freunden in der Heimat. Da bekommt Kati von Jo eine beunruhigende Nachricht. Kurzerhand macht sie dich auf den Weg nach Indien, um die Freundin zu suchen.

Diese Trilogie ist sehenswert, weil…
… sie einem auf so wunderbare, bodenständige Art und Weise vor Augen führt, wie das Leben ist. Man erfährt, wie bedeutsam Freundschaften für das Leben sein können und sieht, was das Erwachsenwerden aus Menschen macht. Mehr als einmal erkennt man sich selbst wieder. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und vor allem gut besetzt (Rosalie Thomas, Anna Maria Sturm, Andreas Giebel). Die Figuren kommen wahnsinnig natürlich rüber, wachsen mit der Geschichte und verändern sich. Vor allem besticht die Trilogie aber durch ihren ganz besonderen Charme: Die Geschichte wird sehr humorvoll erzählt. Trotzdem haben die Filme aber auch ihre leisen, melancholischen, nachdenklichen Töne. Dabei bleibt die Geschichte immer auf dem Boden, wird nie verkünstelt und ist einfach aus dem Leben gegriffen.

Zwar spielt die Trilogie in Bayern und es wird auch viel bayerisch gesprochen, dennoch sind die Filme nicht heimattümelnd. Prinzipiell hätte die Geschichte genauso gut auch in Hessen oder in der nordischen Provinz spielen können.

Fazit:
Eine wunderbare, warmherzige Filmreihe in der es viel zu lachen gibt, die einen aber auch manchmal in sich kehren lässt und ein paar Tränchen in die Augenwinkel treibt.

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Lesetipp: Die Frauen der Rosenvilla von Teresa Simon

9783453471313_CoverInhalt:
Rosen, Schokolade und ein Familiengeheimnis – Teresa Simons Roman beginnt im Frühjahr 2013: Anna Kepler, Erbin einer Schokoladendynastie, hat gerade viel um die Ohren: In ihrer Heimat Dresden hat sie gerade ihren zweiten Schokoladenladen eröffnet.  Außerdem ist Anna gerade dabei die Familienvilla in Blasewitz zu renovieren. Das DDR-Regime hatte Annas Opa, dem die Villa zuletzt gehörte, einst enteignet. Erst lange nach dem Fall der Mauer ist die Immobilie in den Familienbesitz zurückgekehrt. Anna möchte nun möglichst alles wieder so herstellen, wie es einmal war. Als sie den einst so berühmten Rosengarten der Villa neu anlegt, findet sie ein vergrabenes Bankschließfach. Darin mehrere lose Tagebuchseiten, Schmuck und andere Gegenstände. Anna beginnt fasziniert zu lesen und stößt auf ein Geheimnis, das fast 100 Jahre alt ist.

Meine Meinung:
„Die Frauen der Rosenvilla“ ist eine reizende Familiengeschichte und ein richtiger Wohlühl-Roman. Zu gerne würde man Anna in ihrem Laden „Schokolust“ bei einer Tasse Kakao Gesellschaft leisten. Und wenn sie in ihrer Küche werkelt und neue Pralinen kreiert, läuft einem richtig das Wasser im Mund zusammen. Auch der Rosengarten wird so anschaulich beschrieben, dass man die vielen exquisiten Rosensorten richtig vor sich sieht und ihren Duft erahnt. Und wer würde sich in so einer tollen Villa nicht wohl fühlen?  Natürlich geht es in dem Roman aber nicht nur um Rosen und Schokolade. Anhand der Tagebucheinträge, die Anna findet, reist der Leser zurück in die Vergangenheit – einmal in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, dann in die Zeit zwischen den Weltkriegen und schließlich in die Zeit während des dritten Reichs. Dabei trifft man auf drei Frauen aus drei Generationen, die alle einmal in der Rosenvilla gelebt haben. Nach und nach lüftet man zusammen mit Anna ein tragisches Familiengeheimnis. Auch ein paar historische Fakten über die Weltkriege und den Schauplatz Dresden hat die Autorin eingestreut. Zum Schluss hin war mir die Geschichte zwar ein bisschen zu arg konstruiert und es gab schon sehr viele Zufälle. Auch die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart hätte eleganter gelöst werden können, trotzdem hab ich den Roman richtig gern gelesen. Dazu hat vor allem der flüssige und lebendige Schreibstil beigetragen. Ein wirklich schöner Roman fürs Herz und für einen entspannten Sonntagnachmittag bei einer großen Tasse heißer Schokolade.

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Das Spiel mit der Angst: 3 Psychothriller, in denen es um menschliche Urängste geht

Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel, seelische Abgründe und das Spiel mit der Angst – ab und an lese ich sehr gerne Psychothriller und der ein oder andere hat mich auch schon aus einer Leseflaute gerettet. Hier stelle ich euch 3 unterhaltsame Psychothriller vor, die sich alle mit einer menschlichen Urangst auseinandersetzen.

Darf_nicht_schlafenIch. darf. nicht. schlafen. von S. J. Watson
Was bleibt, wenn man seine Erinnerungen und sich selbst verliert? Was ist, wenn man nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann? Christine Lucas lebt in einem regelrechten Alptraum. Sie leidet seit Jahren an einer besonderen Art der Amnesie: Immer, wenn sie schläft, werden all ihre Erinnerungen ausgelöscht. Jeden Morgen muss Christine erneut lernen, wer sie ist, wie sie heißt und wer die Personen um sie herum sind. Dabei hilft ihr jeden Morgen ihr Mann Ben, auf den Christine völlig angewiesen ist. Doch es gibt auch noch ein Tagebuch, das Christine führt. Und was darin steht, ist beunruhigend. Wem kann Christine wirklich trauen? Mir hat dieser Thriller außerordenlich gut gefallen und ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass das einer der besten Psychothriller ist, die ich je gelesen habe: Verstörend, spannend bis zur letzten Seite und nervenzerreißend. Mir hat beim Lesen teilweise echt der Atem gestockt. Echter Gänsehautfaktor und das ganz ohne grausame Gewaltszenen.

9783453437982_CoverPhobia von Wulf Dorn
Was für eine schreckliche Vorstellung: Mitten in einer kalten Dezembernacht hört Sarah Bridgewater ihren Mann nach Hause kommen, obwohl der eigentlich auf einer Geschäftsreise sein müsste. Doch der Mann, den Sarah schließlich in der Küche antrifft, ist nicht ihr Ehemann Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann. Wulf Dorns Psychothriller „Phobia“ beginnt wie ein schlimmer Albtraum – düster und nervenaufreibend. Sofort wird der Leser in den Bann gezogen und muss sich mit einer der menschlichen Urängste auseinandersetzen: dem Gefühl, sich nirgendwo mehr sicher zu fühlen. Gerade zu Beginn der Geschichte kommt Sarahs Verzweiflung sehr gut rüber. Was allerdings so vielversprechend beginnt, flacht im Laufe der Geschichte immer mehr ab. An sich ist ja die Idee des Thrillers grandios: Da schleicht sich jemand in das Leben anderer bzw. versucht die Identität von jemanden zu stehlen. Dorn hat aber aus dem Plot viel zu wenig rausgeholt. Das führt unweigerlich dazu, dass die ganze Geschichte viel zu durchsichtig ist und für einen Thriller eigentlich zu lahm. Dorn verzettelt sich in Nebenhandlungen, die überhaupt nichts zur Geschichte beitragen. Zum Teil laufen diese sogar einfach ins Leere und lassen viele unbeantwortete Fragen zurück. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Dorn noch viel stärker in die Gedankenwelt des Täters eintaucht und generell auch einfach noch viel mehr mit der Psyche des Lesers spielt. So kommt das Motiv zum Schluss fast ein wenig belanglos rüber. Zu gute halten kann man dem Autor seinen leichten und angenehmen Erzählstil; er verwendet eine einfache und schnörkellose Sprache und das Buch liest sich dadurch weg wie nichts. Auch schafft es Dorn die ganze Handlung sehr logisch zu erzählen. Die Botschaft, die bei dem Buch mitschwingt, ist auch ganz schön. Fazit: Ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch, für einen Thriller allerdings nur mäßig spannend.

splitterSplitter von Sebastian Fitzek
Was ist Wirklichkeit, was ist Einbildung? Mit diesem Thema setzt sich Sebastian Fitzek in “Splitter” auseinander. Marc Luca steht vor einem Scherbenhaufen und ist von Selbstvorwürfen geplagt: Denn er hat bei einem selbstverschuldeten Autounfall seine Frau und sein ungeborenes Baby verloren. Da hört Marc von einem psychiatrischen Experiment: Menschen mit Traumata sollen alle negativen Erinnerungen ausgelöscht werden. Nach dem ersten Test ist für Mark aber nichts mehr wie es war. Als er nach Hause kommt, passt sein Wohnungsschlüssel nicht mehr, ein anderer Name steht auf dem Klingelschild und dann öffnet ihm seine hochschwangere Frau. Kein Zweifel, Fitzek versteht sein Handwerk definitiv. Er schreibt unglaublich gut und lebendig und weiß, wie man Spannung erzeugt. Nach jedem Kapitel kommt ein Knall, eine Wendung, etwas, mit dem man nicht gerechnet hat. Dazu war die Geschichte auch noch ziemlich interessant. Das Ende war mir persönlich aber wieder etwas zu konstruiert. Im Großen und Ganzen hat mich Splitter dennoch unglaublich gut unterhalten. Es liest sich halt wie Popkornkino und ist genau das Richtige für einen verregneten Sonntagnachmittag.

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Lesetipp: Die vergessene Frau von Tara Hyland

9783442380985_CoverInhalt:
Tara Hylands ergreifender Roman beginnt im Jahr 1946 auf einer entlegenen Farm in Irland. Die 17 Jahre alte Franny – ein gutaussehendes, talentiertes Mädchen – träumt von einem anderen, einem besseren Leben. Irgendwann einmal, so schwört sie sich, wird sie der Enge ihres Elternhauses entfliehen und wie ihre Idole einer berühmter Filmstar werden. Doch dann wird Franny ungewollt schwanger. In ihrer Not flieht sie nach London und kommt dort bei einer verwitweten Frau in Whitechapel unter. Um sich und ihre kleine Tochter Cara über Wasser zu halten, arbeitet Franny hart, verliert aber nie ihren Traum aus den Augen. Eines Tages bietet sich für Franny eine einmalige Chance, doch dafür muss sie ein großes Opfer bringen.

Meine Meinung:
Tara Hyland erzählt das zum Teil harte und tragische, aber auch sehr erlebnisreiche Leben von Franny und ihrer Tochter Cara so lebendig, einfühlsam und mitreißend, dass man das Buch nur sehr schwer zur Seite legen kann. Obwohl der Roman rund 700 Seiten umfasst, hab ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen. Der Leser begleitet Mutter und Tochter fast 30 Jahre lang – von 1946 bis Anfang der 70er Jahre. Man lernt dabei Glanz und Glamour der goldenen Hollywood-Ära in den 50er kennen und kommt auch mit den Schattenseiten des Ruhms in Berührung. Gleichzeitig erfährt der Leser aber auch einiges über die Lebenssituation der Arbeiterfamilien im zerbombten London der Nachkriegszeit, taucht ein in die Londoner Unterwelt und erlebt die pulsierenden 60er Jahre in der englischen Hauptstadt. Ein Teil des Romans spielt auch in der kargen Landschaft Irlands. Erzählt wird die Geschichte meist abwechselnd aus der Sicht von Franny und Cara. Obgleich der Roman mit sehr vielen Themen vollgepackt ist und die beiden Protagonistinnen wirklich viele Schicksalsschläge erleiden, wird die Geschichte niemals kitschig oder unglaubwürdig. Im Gegenteil: Der Roman bleibt bis zum Ende unterhaltsam, ergreifend und spannend. Das liegt vor allem an den starken und echten Charakteren. Vor allem Cara wächst einem ans Herz und man bekommt irgendwann das Gefühl, sie persönlich zu kennen. Grandios ausgearbeitet ist auch das Beziehungsgeflecht zwischen Franny und Cara – kompliziert, fragil, bitter und doch so liebevoll. Summa summarum ist „Die vergessene Frau“ eine mitreißende und bewegende Mutter-Tochter-Geschichte zwischen Irland, London und dem schillerenden Hollywood.

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Lesetipp: Das Lied der Hoffnung von Linda Holeman

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Inhalt:
Im Frühjahr 1861 geschieht in der Geschichte Russland etwas beinahe unglaubliches: Zar Alexander II. hebt die Leibeigenschaft auf. Er reagiert damit auf jahrzehntelange Unruhen und Aufstände im Land. Das neue Gesetz verhilft den unterdrückten Bauern aber nicht nur zur Freiheit, sondern bringt auch viele Probleme. Denn Russland ist verarmt und viele ehemalige Leibeigene wissen gar nicht, wohin sie gehen sollen oder woher sie Geld nehmen sollen, um sich eigenes Land zu kaufen. Und natürlich bekommt auch der Adel die Veränderungen zu spüren. In diese Zeit des Umbruchs und des Aufruhrs hat Linda Holeman ihren Roman „Das Lied der Hoffnung“ angesiedelt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Gräfin Antonina, deren Welt zerbricht, als ihr kleiner Sohn Mischa von einer Kosakenbande entführt wird. Ihr Mann wird bei dem Überfall verletzt und erkrankt schwer. Antonina muss aber plötzlich nicht nur um ihr Kind bangen, sondern auch um den Landsitz der Familie, der ein Opfer der sozialen Unruhen im Land zu werden droht. In ihrer Not wendet sich die Gräfin an den Gutsverwalter Grischa, der allerdings ein dunkles Geheimnis verbirgt.

Meine Meinung:
„Das Lied der Hoffnung“ ist ein wunderbarer, fesselnder und vielschichtiger Roman, der einen von Anfang bis Ende nicht mehr loslässt. Im Prinzip wird die Geschichte auf drei Ebenen erzählt. Zunächst begleitet der Leser Antonina ab dem Jahr 1861, bangt mit ihr um ihren Sohn und den Landsitz und erfährt einiges über die sozialen Umbrüche in jener Zeit. Dann besteht der Roman aber auch aus Rückblicken, in denen man zum einen vieles über Antoninas Jugend und zum anderen einiges über Grischas Vergangenheit erfährt. Linda Holeman schreibt äußerst feinfühlig, bildhaft und vereinnahmend; die Charaktere sind alle sehr greifbar. Wahnsinnig gut ausgearbeitet ist auch der Spannungsbogen: Die Höhen und Tiefen der Geschichte sitzen an der richtigen Stelle, immer wieder gibt es dramatische Wendungen und doch wirkt die Handlung zu keiner Zeit unrealistisch oder überzogen. Ein unterhaltsamer, spannender und herzergreifender Roman, der einen interessanten Einblick in ein Stück russische Geschichte bietet. Ein Roman über Hoffnung, Schuld und Liebe – melancholisch, wie die russische Seele, und erschütternd, aber doch so positiv.

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Bücher tauschen: Tauschbörsen im Vergleich

Wohin mit Büchern, die man nicht mehr braucht und woher relativ günstig neue Bücher bekommen? – Das sind wohl Fragen, die sich jeder Buchsüchtige ab und zu stellt. Eine schöne Erfindung sind da die Tauschbörsen im Internet. Zwei davon möchte ich euch genauer vorstellen.

1. Tauschticket

TauschticketBei Tauschticket habe ich mich schon vor etwa sieben Jahren angemeldet. Somit ist das die Tauschbörse, die ich schon am längsten nutze. Mittlerweile kann man dort nicht nur Bücher, sondern auch CDs, Filme, Kleidung, Spiele und allen möglichen Krimskrams tauschen.

So funktionierts: Man lädt seine Bücher, Filme etc. hoch und legt fest, wie viele Tickets diese kosten sollen. Wählen kann man zwischen 1 und 20 Tickets. Fordert jemand die Ware an, kann man den Tausch bestätigen. Danach muss man die Ware an den Tauschpartner schicken und bekommt dafür die Tickets gutgeschrieben. Mit den Tickets kann man sich dann wiederum etwas ertauschen.

Gebühren: Die Mitgliedschaft bei Tauschticket ist kostenlos, allerdings wird seit Oktober 2010 pro Tauschvorgang eine Gebühr von 49 Cent fällig, die der zahlen muss, der die Ware anfordert. Das Geld kann man vorher hochladen – man muss mindestens fünf Euro hochladen, wenn man mit Kreditkarte, per Überweisung oder mit Paypal zahlt; mindestens zehn, wenn man mit Lastschrift zahlt.

Erfahrung: Bisher hab ich nur gute Erfahrungen mit Tauschticket gemacht. Die Zustandsbeschreibungen sind meist sehr genau und die Bewertungen helfen, den Tauschpartner einzuschätzen. Einmal in all den Jahren kam ein Buch nicht bei mir an und der Tauschpartner hat sich auch nicht mehr gemeldet. Tauschticket hat mir dann sehr schnell und ohne Diskussionen das Ticket und auch die Gebühr wieder gutgeschrieben.
Generell hab ich bisher schon recht viel vertauschen können. Sehr positiv finde ich auch, dass die Auswahl an Büchern und Co. bei Tauschticket sehr groß ist. Bei anderen Tauschbörsen  ist das nicht immer so.

2. Tauschgnom

TauschgnomTauschgnom nutze ich seit etwas zwei Jahren. Auch auf dieser Tauschbörse kann man neben Büchern auch Film, CDs, Computerspiele, Kleidung und alles Mögliche tauschen.

So funktionierts:  Bücher, Filme etc. hochladen und festlegen, wie viele Token diese kosten sollen. Wählen kann man zwischen 1 und 5 Token. Fordert jemand die Ware an, kann man den Tausch bestätigen oder ablehnen. Danach muss man die Ware an den Tauschpartner schicken und bekommt dafür die Token gutgeschrieben. Mit den Token kann man dann etwas anderes anfordern.
Im Gegensatz zu Tauschticket kann man bei Tauschgnom die Artikel aber auch als Geschenk einstellen. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit zu einem 1:1-Tausch. Das heißt: Man kann einen Artikel bei einem Mitglied anfordern, der Tauschpartner schaut dann in meinem Regel nach, ob er etwas findet und kann den Tausch dann bestätigen oder ablehnen. So kann man auch tauschen, wenn man keine Token mehr hat.

Gebühren: Tauschgnom ist komplett kostenlos.

Erfahrung: Bis auf ein Erlebnis bei einem 1:1-Tausch (da kam nie etwas bei mir an und der Tauschpartner war wie vom Erdboden verschluckt) hab ich bisher eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht. Generell hab ich das Gefühl, dass die Bücher auf Tauschgnom schneller weggehen als auf Tauschticket. Was natürlich auch an dem 1:1-Tausch liegen kann. Auf der anderen Seite ist aber das Angebot oft nicht so groß, gerade aktuellere Sachen findet man sehr selten.
Die Zustandsbeschreibungen sind sehr genau – bei Tauschgnom kann man nämlich zusätzlich den Zustand seiner Ware auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (gerade noch so) angeben. Die Bewertungen helfen, den Tauschpartner einzuschätzen.

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Lesetipp: Mandel-Trilogie von Berni Mayer

Mandels BüroBlack Mandel9783453676619_Cover

Inhalt: Mandels Büro: Als die Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer ihre Festanstellung verlieren, machen sie sich mit einer Privatdetektei selbstständig. Doch bereits der erste Fall wächst den beiden Freunden schnell über den Kopf: Sie werden von der Frau des alternden Punkrocker Leo Tilmann beauftragt, ihren Mann zu beschatten, um zu beweisen, dass er fremdgeht. Doch schon bald ist Tilmann tot. Im Wettlauf mit der Witwe, der Plattenindustrie und einer Horde Rechtspopulisten sollen die Detektive nun den musikalischen Nachlass Tilmanns sicherstellen. Dabei kreuzen die beiden mehr als einmal musikalische und menschliche Randgebiete. (Quelle: Klappentext)

Black Mandel: Noch immer sitzen Max Mandel und Sigi Singer in ihrer Detektei und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Da werden sie zu einem Black-Metal-Konzert nach Bergen in Norwegen eingeladen.Nach einem hemmungslosen Besäufnis finden sie sich mitten in einem Clankrieg der dortigen Black-Metal-Szene wieder. Auf der Suche nach einem verschwundenen Musiker, machen sie Bekanntschaft mit Kirchenbrandstiftern, Kultführern und Okkultisten. (Quelle: Klappentext)

Der große Mandel: In „Der große Mandel“ schickt Mayer die beiden ehemaligen Musikjournalisten Sigi Singer und Max Mandel, die sich mittlerweile in Berlin mit einem Detektivbüro selbstständig gemacht haben, in ihre alte Heimat nach Regensburg. Beide wollen dort an einem Wrestling-Seminar teilnehmen, das Sigi Max zum Geburtstag geschenkt hat. Doch schon bald müssen sie wieder als Ermittler ran. Um herauszufinden, wer hinter der Erpressung eines Catchers steckt, touren Mandel und Singer mit einer kleinen Wrestling-Liga quer durch Deutschland.

Meine Meinung: Diese Reihe rockt! Aber sowas von. Die Mandel-Romane sind auf jeden Fall Romane, die sich von anderen abheben und die es schon nach wenigen Seiten unter meine Lieblingsbücher geschafft haben. Mayer erzählt sehr stilsicher, mit einer großen Portion Ironie und Witz; mit Mandel und Singer hat er zudem zwei einzigartige, sehr glaubwürdige, unverwechselbare und vor allem extrem coole Charaktere geschaffen, die einfach im Gedächtnis hängenbleiben.

Obwohl die Mandel-Romane als Krimis deklariert werden, ist es allerdings nicht die Krimihandlung, die die Romane ausmachen. In „Der große Mandel“ setzt diese sogar erst recht spät ein. Es sind die vielen popkulturellen Anspielungen und das fast schon nerdige Hintergrundwissen zu Themen wie Musik oder – im dritten Roman – Wrestling, die die Romane zu etwas besonderem machen. Die Romane sind auch ein Stück weit eine Persiflage auf die Musikindustrie beziehungsweise eine Gesellschaftsgroteske. Insgesamt geht es in der Trilogie auch um die Entwicklung einer Freundschaft. Was passiert mit zwei ehemaligen besten Freunden, die sich auseinanderleben? Von denen sich einer ständig dem anderen unterlegen fühlt? Auf seinen letzten Seiten kommt die Trilogie sogar etwas philosophisch daher und stimmt einen nachdenklich.

Wirklich schade, dass es wohl keinen weiteren Mandel-Roman mehr geben wird. Übrigens: Auch wenn die drei Mandel-Romane „Mandels Büro“, „Black Mandel“ und „Der große Mandel“ in sich abgeschlossen sind, sollte man die Mandel-Trilogie unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen, um die Entwicklung der Protagonisten zu verstehen.

Extra-Tipp: Wer einmal die Möglichkeit hat, eine Lesung von Berni Mayer zu besuchen, sollte unbedingt hingehen. Ich habe selten so einen unterhaltsamen Abend erlebt: Berni Mayer liest nicht nur sehr gut, sondern spielt auch noch Gitarre und singt und ist einfach sehr sympathisch.

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